SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

© 2018 Frank-D. Paßlick, Münster i. Westf. und Biberach (Baden)
 

Streckenmeldungen 2014-2018

KBS 721  Offenburg - Hausach - Freudenstadt Hbf
KBS 720  Offenburg - Hausach - Hornberg
KBS 718  Offenburg - Appenweier - Bad Griesbach
KBS 719  Offenburg - Kehl - Strasbourg
KBS 722  Biberach (Baden) - Oberharmersbach-Riersbach
KBS 717  Achern - Ottenhöfen

 
siehe auch:
Streckenmeldungen Ortenau-S-Bahn 2013 mit Rückschau auf die Entwicklung seit der Regionalisierung
Eisenbahn-Kreisverkehr:  Freudenstadt - Offenburg - Appenweier - Bad Griesbach
 

Stand: 11.2018


Innovationen im Schienenverkehr

SWEG-Aufsichtsrat auf Probefahrt

Nach der Ausschreibung von Netz 8 "Ortenau-S-Bahn" 2013 und der Vergabe am 14.12.2014 für weiter sieben Jahre an die SWEG erfolgten mehrere Erklärungen aus dem Baden-Württembergischen Verkehrsministerium. Im Bereich des Netzes 8, in dem bisher mit Dieselmotoren auf nicht elektrifizierten Strecken, aber im Bereich der Rheintal- und der Schwarzwaldbahn auch unter Fahrleitung gefahren wird, sollen Innovationen im Antriebsbereich im Betrieb eingeführt und erprobt werden.

Welche innovativen Schienenfahrzeuge gibt es derzeit auf dem Markt?

Prof. Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg, ist Vorsitzender im Aufsichtsrats der Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG (SWEG) mit Sitz in Lahr (Schwarzwald). Gemeinsam mit SWEG-Aufsichtsräten und SWEG-Vorstand Johannes Müller unternahm er am 26. Oktober 2018 eine Erkundungsreise nach Bremervörde (Niedersachsen).

Dort setzen die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser Gmbh (evb) seit Mitte September 2018 den ersten Brennstoffzellenzug der Welt im Fahrgastbetrieb ein.

Fahrt im ersten Brennstoffzellenzug der Welt

Das Fahrzeug, der von der Firma Alstom gebaute Coradia iLint, ermöglicht emissionsfreie Mobilität, denn es stößt nur Wasserdampf aus. Es verfügt neben zwei Brennstoffzellen, die Wasserstoff und Sauerstoff in elektrische Energie umwandeln, über zwei große Akkumulatoren, die zusätzlich auch die beim elektrischen Bremsen (Motor im Generatorbetrieb) entstehende Energie speichern. Die Akkumulatoren versorgen den Zug beim Beschleunigen mit elektrischer Energie, bevor auf die Brennstoffzelle umgeschaltet wird.

Coradia iLint Foto: Alstom / Michael Wittwer

Die Pressemeldung der SWEG berichtet: Die evb setzt das Fahrzeug im Weser-Elbe-Netz ein - die SWEG-Delegation fuhr auf der Strecke von Bremervörde nach Zeven mit. "Der iLint fährt sehr ruhig, sodass unsere Fahrt reibungslos und sehr angenehm verlief," resümiert Uwe Lahl. Das Fahrzeug sehe von außen wie ein Standardtriebwagen aus; die Akzeptanz bei Fahrpersonal und Fahrgästen sei hoch.

Testeinsatz im Schwarzwald geplant

Aufgrund der positiven Erfahrungen vor Ort mit dem Coradia iLint hat der Vorstand der SWEG beschlossen, das Brennstoffzellen-Fahrzeug in der Ortenau zu testen - voraussichtlich am 30. Januar 2019. "Der Test ist wichtig, weil im Schwarzwald andere Höhenunterschiede zu bewältigen sind, als im norddeutschen Flachland," sagt der SWEG-Vorstandsvorsitzende Johannes Müller. Der Hintergrund: Das Land Baden-Württemberg plant voraussichtlich von Dezember 2022 an, den ersten Zug mit Brennstoffzellen- oder Batterieantrieb auf dem Netz 8 der Ortenau-S-Bahn einzusetzen. Die Fahrleistungen wird die TRAPICO Schieneninnovations GmbH übernehmen, ein Unternehmen unter dem Dach des SWEG-Konzerns, das jedoch vollständig vom Land kontrolliert wird.

Quellen: Pressemerlung SWEG vom 31.10.2018; Informationen aus dem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg vom 30.10.2018.


 
Vergabe von Netz 8 Ortenau (Ortenau-S-Bahn) an die SWEG

Keine Überraschung nach der Ausschreibung

Was war ausgeschrieben?

Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg hatte im Dezember 2013, auf der Grundlage der seit 1998(2002/2004) von der Ortenau-S-Bahn gefahrenen Leistungen, das Netz 8 ausgeschrieben:
 
Gemeinwirtschaftliche Verkehrsleistungen im Schienenpersonennahverkehr auf den Strecken
- Bad Peterstal-Griesbach – Offenburg (KBS 718),
- Offenburg – Kehl (KBS 719),
- Offenburg – Hausach – Hornberg (KBS 720) und
- Hausach – Freudenstadt Hbf (KBS 721)
mit einem Leistungsumfang von rund 1.828.000 Zugkilometer pro Jahr ab Dezember 2014 und einer Laufzeit bis Dezember 2021.
 
Optional: Verkehrsleistungen auf den Strecken
- Kehl – Grenze – Straßbourg (ca. 113.000 Zugkilometer p.a.)
- Biberach (Baden) – Oberharmersbach-Riesbach (KBS 722), und
- Achern – Ottenhöfen (KBS 717) (ca. 263.000 Zugkilometer p.a.)
mit einem Leistungsumfang von insgesamt etwa 376.000 Zugkilometer pro Jahr.

Angebote mussten bis 28. April 2014 beim Ministerium eingereicht werden. Die detaillierten Ausschreibungsunterlagen, das "sickerte durch", wurden von unterschiedlichen potentiellen Bewerbern angefordert. Es war durchaus denkbar, dass es Interessenten für das Kernnetz der Ortenau-S-Bahn mit konkurrenzfähigen Angeboten gegeben hätte. Die kaum überwindbare Klippe war dagegen der Verkehr über die Grenze nach Frankreich. Die Aufrüstung von Fahrzeugen für die Zulassung auf den wenigen Kilometern in Frankreich kostet Unsummen und kann sich über Jahre erstrecken (DB Regio hat diesbezüglich einschlägige Erfahrungen mit der Zulassung des Triebzugs der BR 628 vor über zehn Jahren gesammelt.) In anderen Bundesländern werden derartige Hinderungsgründe für Angebote konkurrierender Betreiber durch die Trennung zwischen fahrzeugbezogenen Leistungen und der eigentlichen Verkehrsleistung vermieden.

Zuschlag ohne Überraschungen, aber mit einigen Besonderheiten

Kaum verständlich ist die Tatsache, dass die offizielle Entscheidung des Ministeriums erst 37 Tage vor der (erneuten) "Übernahme" der Verkehrsleistung im SPNV durch die landeseigene SWEG für weitere sieben Jahre am 14.12.2014 bekanntgegeben und veröffentlicht worden ist. Der Zuschlag wurde über eine Presseerklärung durch Verkehrsstaatssekretärin Gisela Splett (MdL) am 7. November 2014 erläutert:

"Die Vergabe der Ortenau S-Bahn war verbunden mit technischen Besonderheiten wie den grenzüberschreitenden Verkehr nach Strasbourg/Frankreich und die Flügelung der Züge in Hausach. Angesichts enger finanzieller Spielräume freue ich mich über die erreichten Verbesserungen für die Fahrgäste."

Was ändert sich?

Das Angebot wird an mehreren Stellen ergänzt:
- Zur Ortenau S-Bahn gehören künftig auch die Strecken Achern – Ottenhöfen und Biberach (Baden) – Oberharmersbach-Riersbach. Auf diesen Strecken wird der Verkehr weitgehend zu einem Stundentakt ausgeweitet. Beide Strecken, die bisher von der SWEG eigenwirtschaftlich betrieben wurden, werden künftig vom Land bestellt und damit in ihrem Bestand langfristig gesichert.
- Der Halbstundentakt wird zwischen Offenburg und Strasbourg ausgeweitet. Ein zusätzliches Zugpaar wird eine Angebotslücke am späten Abend schließen.
- Für Schüler wird es eine neue, zusätzliche Fahrt zur ersten Schulstunde von Oberkirch nach Offenburg geben.

Das Highlight ab 14. Dezember: OSB-Bahnhalt am neuen Haltepunkt Freilichtmuseum Vogtsbauernhof

Nach gemeinsamer Fahrt gekuppelter OSB-Triebwagen von Offenburg nach Hausach werden dort die Linien geflügelt. Ein Zugteil fährt, unverändert wie seit 2004, weiter nach Freudenstadt Hbf, ein weiterer auf der neuen Linie zum Haltepunkt Gutach Vogtbauernhof und weiter nach Hornberg. Nach der Wende in Hornberg wird auf der Rückfahrt wieder am Vogtsbauernhof gehalten und schließlich werden die Regio Shuttle der OSB in Hausach wieder mit den von Freudenstadt kommenden Fahrzeuge veeinigt, um gemeinsam nach Offenburg weiterzufahren. Nach annähernd 20 Jahren wird damit ein Wunsch erfüllt, der schon im Nahverkehrsplan des Ortenaukreises 1995 ausdrücklich genannt worden ist.

nvog.de, OSB, Ortnaukreis
 

siehe auch:
Streckenmeldungen Ortenau-S-Bahn 2013 mit Rückschau auf die Entwicklung seit der Regionalisierung
 
Eisenbahn-Kreisverkehr:  Freudenstadt - Offenburg - Appenweier - Bad Griesbach
 
Beitrag zum Jubiläum 10 Jahre OSB (2008)